Nicht nur Engel, sondern auch Vampire, Hexen, Wikinger, Glückskäfer und verschiedene afrikanische Völker haben sich am Rosenmontag dem größten Karnevalsumzug in ganz Oberberg angeschlossen.
ENGELSKIRCHEN. Auch wenn Petrus den Närrischen Oberbergern in den letzten Wochen so manchen Schneeball in den Weg gelegt hat: Am Rosenmontag hielt er die himmlischen Schleusen geschlossen. „Es ist eine tolle Leistung, was die Zugteilnehmer, die zum Teil ihre Wagen im Freien bauen und lackieren müssen, trotz des Frostes dieses Jahr auf die Räder gebracht haben“, lobte Bauer Reinhold das große Engagement der Narrenzunft.
In der Tat war der bunte Lindwurm, der sich gestern durch Engelskirchen schlängelte, prächtig anzuschauen: Himmlische Schutzengel kamen auf einem geflügelten Pferd angeritten (Männerballett un Fründe), bunt gewandete Hippies frönten den schrillen 70er Jahren (Die schnellen Bicker und Familie Stommel), und Vampire bahnten sich im selbst geschreinerten Sarg (Feckelsberg / Blumenau) ihren Weg durch das tanzende Narrenvolk, das viel Spaß an den liebevollen Details hatte: Da gab es die Kamelleschleuder, die Norbert Hess aus einem Ski und einer Feder entworfen hatte (Verein für Brauchtumspflege) und das rauchende und mit dem flexiblen Schwanz wedelnde Ungeheuer von Loch Ness (Konfetti 98). Die Schnellenbacher hatten das aus TV und Tageszeitung bekannte Domizil ihres Nachbarn liebevoll nachgebaut.
Die vielen tausend Besucher, die Prinz Marco I., Bauer Reinhold und Jungfrau Apollonia huldigten, hatten ganz unterschiedliche Rezepte gegen die klirrende Kälte: „Wir sind oberbergische Krieger und halten uns mit Tanzen und unserem Spezialtee warm. Wir haben soviel Spaß da kommt die Wärme von innen“, freute sich die als Afrikanerin kostümierte Claudia Behr. Marienkäfer Viola Funke (16) setzte im Kampf gegen die Kälte auf mehrere Schichten Textil „und darauf, dass ich immer in Bewegung bleibe“. Oberblutsauger Andreas Stommel sog den Jecken nicht den roten Lebenssaft aus den Adern, sondern begnügte sich mit heißem Lumumba.
Kalt wurde es auch Prinz Marco I. auf seinem Prinzenwagen nicht, dafür war er viel zu sehr damit beschäftigt, den zigtausend Jecken fröhlich zuzuwinken und sie großzügig mit Kamellen zu versorgen. Eine eiserne Regel hatte seine Tollität ausgegeben: „Kein Bier für das Trifolium!“ Nicht, weil das Dreigestirn dem Gerstensaft etwa abgeneigt wäre, „sondern weil wir zweieinhalb Stunden nirgendwo austreten können“.
25 Tonnen Kamelle standen dieses Jahr rund 50 000 Strüßjer gegenüber. „Die Kamelle werden weniger, statt dessen greifen die Gruppen lieber auf hochwertigeres Wurfmaterial zurück“, weiß Rudolf Krautilik, Vorsitzender der Närrischen Oberberger. Das kann man auch dann noch gebrauchen, wenn es in den angetauten Schnee gefallen ist. Noch mehr Zahlen vom Rosenmontag: 1200 Karnevalisten nahmen in 58 Gruppen und 28 Wagen am Zug